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Pferdeverhaltenstherapie – nicht aufhalftern lassen

den Knoten lösen der zwischen Mensch und Pferd entstanden istNicht aufhalftern lassen

Immer wieder habe ich Pferde in meiner Therapie, welche sich nicht oder nicht mehr aufhalftern lassen. Sei es in der Box, nach dem Freilassen in der Halle / auf dem Platz oder wenn man sein Pferd von der Weide holen möchte.

Da für mich als Therapeutin jedes Pferd als Individuum gesehen wird, ist es auch wichtig die genaue Ursache für die Problematik zunächst herauszufinden.

Welche möglichen Ursachen kann es geben, weshalb sich ein Pferd nicht (mehr) aufhalftern lässt:

Pferd:

  • Zahnschmerzen
  • Kiefergelenksblockaden
  • Zungenbeinblockade
  • Verspannungen, Verklebungen im Kopf-, Genick- oder Halsbereich
  • Blockaden im Halswirbelbereich
  • sämtliche Körperliche Einschränkungen, weshalb die Arbeit mit dem Menschen nicht ohne Schmerz oder Unwohlsein ausgeführt werden kann
  • zu wenig Bewegung
  • Trennungsängste vom Pferdepartner / von der Gruppe
  • das frische Heu oder frische Gras ist für das Pferd im Moment wichtiger als der Mensch
  • Stress

Mensch:

  • Mensch-Pferd-Beziehung an sich
  • nicht korrekt sitzendes Equipment
  • negative Erfahrungen während der Arbeit
  • der Mensch hat eine innere Anspannung oder innere Unruhe, was vom Pferd aufgenommen wird
  • der Mensch nimmt Medikamente worauf das Pferd reagiert
  • der Mensch ist starker Raucher
  • Stress

Und die Liste könnte noch weiter gehen…

Wie du siehst, gibt es extrem viel Ursachen für das Problem nicht aufhalftern lassen. Und es ist immer ein Zeichen welches das Pferd gibt um mitzuteilen, dass etwas nicht mehr in Ordnung ist. Die Aussage „das Pferd ist frech“ ist eine reine Vermenschlichung und dass ein Pferd etwas „mit Absicht“ aus negativen Gedanken macht, ist für uns Menschen die einfachste Erklärung. Es gibt für das Pferd  jedoch immer einen logischen Grund ein gewisses Verhalten zu zeigen. Und sollte ein Pferd doch aus Sicht des Menschen „frech“ sein, dann ist es dies nur aufgrund von uns Menschen, weil wir dem Pferd etwas anderes gelernt oder gar nicht beigebracht haben.

Beispiele:

  • Das Pferd ist auf der Weide und frisst entspannt Gras. Der Mensch kommt und möchte mit dem Pferd arbeiten. Aber, der Sattel passt nicht. Das Pferd hat jedes Mal Schmerzen, wenn es geritten wird. Es verknüpft den Menschen mit dem unpassenden Sattel und rennt vor dem Menschen weg um den Schmerzen zu entgehen.
  • Das Pferd steht in der Box. Der Mensch kommt und möchte das Knotenhalfter anziehen. Beim letzten Mal hat das Knotenhalfter aber Schmerzen im Genick ausgelöst, weil der Mensch zu fest daran gezupft hat.. Das Pferd dreht dem Menschen die Hinterhand zu und droht.
  • Das Pferd steht auf der Weide. Der Mensch kommt gestresst von der Arbeit und möchte das Pferd reiten. Das Pferd schaut auf, sieht den Menschen, seine Körperspannung und bemerkt die grosse innere Anspannung. Beim letzten Mal war der Mensch in dieser Stresssituation beim Reiten sehr stark mit der Hand – Schmerzen im Mund. Das Pferd reist den Kopf hoch als es aufgehalftert werden soll und rennt davon.

Wichtige Schritte die man für das positive Aufhalftern berücksichtigen sollte

  • Wie begrüsse und verabschiede ich mein Pferd?
  • Welchen Eindruck gebe ich dem Pferd? Körperspannung, Atmung, Körperhaltung, Gang & Mimik überprüfen
  • Wie gehe ich auf der Weide auf mein Pferd zu? Wie eine „Gefahr“ dominant, direkter Weg auf das Pferd zu mit schnellem Schritt? Oder entspannt, ruhige Atmung, positive Einstellung und in gebogenen Linien, seitlich an das Pferd mit gesenktem Kopf?
  • Komme ich zu Fütterungszeiten an den Stall kann ich das Pferd z.B. während dem Fressen füttern und es nicht sofort aus der Boxe holen wenn frisches Heu zur Verfügung steht
  • Intensive Gerüche unterbinden
  • Hat das Pferd Schmerzen? Wann war der letzte Kontrolltermin mit meiner Pysio/Osteo/Cranio-Sacral-Therapeutin oder meinem Zahntierarzt?
  • Hat das Pferd Angst vor bestimmten Situationen? Dann müssen diese Ängste langsam angegangen und gelöst werden

Das Aufhalftern

Mein Ziel ist es, dass das Pferd freiwillig zu mir herkommt. Wenn dies nicht der Fall ist, arbeite ich mit meiner Körpersprache um das Pferd zu motivieren zu mir zu kommen. Für das freiwillige zu mir kommen gibt es ein Lob. Dies kann über Stimme, Streicheleinheit oder Futter (dies kann auch ein Büschel Heu sein) erfolgen. Mit gesenktem Blick und seitlich gestelltem Körper auf Höhe Kopf/Hals nehme ich Körperkontakt mit einer Hand am Hals oder Schulterblatt auf. Duldet das Pferd dies nehme ich die Hand immer wieder weg und steigere die Dauer der Streicheleinheiten. Bei sehr traumatisierten Pferden ist dies oftmals schon die erste Arbeit und hört nach wenigen Minuten auf, was man auf mehrere Übungen auf den Tag verteilen kann. Denn, ein Pferd lernt NIE unter Stress.

Gerne kann man dem Pferd auch das Halfter auf den Boden legen, damit es daran schnuppern kann und es dies nicht in Verbindung mit dem direkten Aufhalftern stellt.

Mit einer Hand bin ich am Pferd, mit der anderen Hand hebe ich das Halfter seitlich vom Pferd, sobald das Pferd Stresszeichen zeigt, nehme ich das Halfter wieder runter. Mein Ziel ist es, dass das Pferd lernt, dass ein Halfter keine Bedrohung oder negative Erfahrung ist. Wenn dieser Schritt gefestigt ist, berühre ich den Hals und das Schulterblatt mit dem Halfter. Ist auch dies vom Pferd geduldet lasse ich das Pferd am Halfter riechen und halte es immer noch in einer Hand. Mit viel Geduld, Ruhe und genauer Beobachtung des Ausdrucksverhalten des Pferdes kann man sich so langsam in die Position „Aufhalftern“ begeben. Hier hilft es auch oft z.B. von der anderen Seite als gewohnt das Pferd aufzuhalftern. Eine andere Stehposition des Menschen ist meistens für das Pferd weniger ein Problem als in dem alten Ablauf zu sein. Hier kann es auch von Vorteil sein, an einem anderen Ort als gewohnt aufzuhalftern.

Beim Aufhalftern geht man besonders in langsamen Sequenzen und Bewegungen vor!

Jeder Zentimeter der Richtung Halfter geht, wird positiv verstärkt.

Mit viel Geduld und Ruhe und Ursachenfindung, weshalb das Pferd sich nicht mehr aufhalftern lässt, schafft man es dann auch in vielen kleinen Sequenzen dem Pferd wieder zu zeigen, dass das Aufhalftern kein Stressmoment ist.

Hast du Fragen zum Thema aufhalftern? Dann melde dich unverbindlich bei mir, ich helfe dir gerne weiter.

Liebe Grüsse

Eure Natalie