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Gymnastizierende Bodenarbeit bei Pferden

Pferdetraining

Als Pferdetrainerin ist es mir sehr wichtig, jedes Pferd und jeden Menschen als Individuum zu sehen. Welches Ziel hat der Pferdebesitzer und welche Möglichkeiten aufgrund des Exterieurs und der Gesundheit gibt mir ein Pferd im Training?

Generell ist zu berücksichtigen, dass die Gesundheit des Pferdes, der Energiebedarf und die Grundbedürfnisse (Futter, Haltung, Sozialpartner) zunächst berücksichtigt werden müssen, bevor man mit einem Training beginnt. Sind unsere Vierbeiner mental dazu bereit mit uns zu arbeiten, werden die ersten Schritte bei der (Jungpferde)ausbildung gemeinsam besprochen und ausgearbeitet.

Stufe 1

Vertrauensarbeit – Körpersprache

Ich bin davon überzeugt, dass ein erstes Training mit den Pferden immer vom Boden aus erfolgen sollte, da dies in den unterschiedlichsten Situation zu mehr Vertrauen verschafft und die Pferde auf das Reitergewicht positiv vorbereiten kann. Vom Boden aus mit den Pferden zu arbeiten beginnt schon bei der Begrüssung. Wie sich das Pferd auf der Weide oder in der Boxe zeigt und mit mir kommuniziert, lässt schon viel über die gemeinsame Arbeit im Viereck oder dem Roundpen sagen. Ob wir das Pferd zunächst frei arbeiten oder am Seil/an der Longe wird gemeinsam mit dem Besitzer vor Ort entschieden. Ich beobachte die genaue Gestik und Mimik des Pferdes und beginne mit einfachen Übungen. Tempowechsel im Schritt, Stehen bleiben, Handwechsel und weitere Übungen sind die ersten Schritte in Richtung Körpersprache und Vertrauensarbeit. Wie hört das Pferd auf meinen Körper, wie kann ich meinen Körper korrekt einsetzen ohne Druck mit dem Seil oder einer Peitsche zu machen?

Stufe 2

Hilfsmittel / Equipment

In dieser Stufe gewöhnen wir die Pferde an das Equipment wie Trense, Sattel oder Hilfsmittel wie eine Gerte. Auch hier ist wieder wichtig individuell auf das Pferd einzugehen und die Grenzen der Pferde zu respektieren. Mit ausreichend Pausen und kurzen Trainingsintervallen bringen wir den Pferden bei, dass sie keine Angst vor dem Equipment oder den Hilfsmitteln haben müssen. Mir ist generell in dem Training mit Pferden wichtig, dass die Pferde nicht in eine Stresssituation kommen. Dies kann unter anderem sein: anheben des Kopfes, nach hinten springen, Schweif schlagen, kauen, erstarren, flüchten wollen, …

Pferde die unter zu viel Druck gearbeitet werden und somit in einem Stresslevel sind, können nicht lernen. Deshalb ist es wichtig, immer einen Schritt zurückgehen, wenn ein Pferd auf einen Reiz mit Angst oder Unsicherheit reagiert. Ruhe und Geduld spielen in der Arbeit mit den Pferden eine extrem wichtige Rolle. Wir müssen uns an den Lernfortschritt der Pferde anpassen und nicht umgekehrt. Pferde können und sollen nicht auf Knopfdruck funktionieren sondern sollen motiviert mit uns arbeiten können und auch ihre wohlverdienten Pausen bekommen.

Stufe 3

Gymnastizierende Arbeit am Kappzaum

Hier sind die Begriffe abwechslungsreich, individuell und gesundheitsfördernd für mich als Pferdetrainerin das A und O einer gymnastizierenden Arbeit am Kappzaum. Weshalb ein Kappzaum: Im Laufe der letzten 26 Jahre in denen mich Pferde schon begleiten habe ich viele Phasen und Reitpraktiken miterlebt. Für mich ist der Kappzaum das einfachste und effektivste Equipment in der Bodenarbeit. Weshalb? Wenn ein passender Kappzaum für ein Pferd gefunden ist, liegt er aus Sicht der Anatomie so korrekt, dass er nicht auf die Nervenaustrittslöcher drückt, sitzt im Genick angenehm und die Biegung-Stellung der Pferde als auch die gesamte Bewegung kann positiv durch die Einwirkung am Nasenrücken beeinflusst werden. Wer mit einer Trense longiert riskiert die Gefahr, dass unsere sensiblen Pferde im Maul abstumpfen. Bei einem Knotenhalfter habe ich generell die Problematik, dass es zu fest rutscht und auf Nervenbahnen drückt. Es kann meiner persönlichen Meinung und Erfahrung nach mit einem Kappzaum am Besten auf ein Pferd positiv und nachhaltig eingewirkt werden.

Im Gegensatz zum „klassischen“ longieren möchte ich mit der gymnastizierenden Arbeit dank meinem Hintergrund Bewegungstherapie/Osteopathie ein physiologisch korrektes und abwechslungsreiches Training ermöglichen. Durch meine jetzige Stute Paula wurde ich vor 11 Jahren dazu „gezwungen“ umzudenken und zu lernen, dass ein eintöniges longieren ein Pferd mental müde machen kann. Es macht mir extrem viel Freude zu sehen, wie die Pferde motiviert in einem individuellen und abwechslungsreichen Training zufrieden sind. Mit Gassen, Stangen, Pylonen oder dem Einsatz meiner Körpersprache setze ich ein Training ein, das unseren Pferden nachhaltig hilft und zur Gesunderhaltung beiträgt.

Optional können die Pferdebesitzer auch im Bereich Freiarbeit oder positiver Verstärkung weiter am Vertrauen zu ihren Vierbeinern arbeiten. Mir ist es immer ein Anliegen, den Pferden ein freies Bewegen zu ermöglichen und auf ihre Bedürfnisse einzugehen.