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Bodenarbeit mit dem Pferd

Bedeutung und Trainingstipps der Bodenarbeit mit deinem Pferd aus Sicht der Pferdeverhaltenstherapie

Die Bedeutung von Bodenarbeit

Die Bodenarbeit ist für mich als Verhaltenstherapeutin essentiell, um ein Training bestmöglich zu beginnen. Um das Vertrauen aufbauen oder festigen zu können, ist die Bodenarbeit ein wichtiges Puzzleteil in der Arbeit mit Pferden. Aber auch bei der Ausbildung von Jungpferden ist dies der Grundstein und die Vorbereitung auf das Tragen des Reitergewichts. Die Bodenarbeit ist generell ein Allrounder und für mich in der täglichen Arbeit mit Pferden eine abwechslungsreiche Alternative.

Was verstehen wir unter der Bodenarbeit?

Generell ist das Ziel, eine vertrauensvolle Basis zwischen Mensch und Pferd herzustellen. Der grosse Vorteil bei der Bodenarbeit ist, dass wir uns auf unsere Körperspannung und Körpersprache konzentrieren, worauf das Pferd direkt reagieren kann. Auch ist die positive Verstärkung (z.B. Clickertraining) ein Weg, der für mich persönlich bis jetzt der erfolgreichste war. Ein direktes Lob für das Pferd, sei es eine kurze Streicheleinheit, das klassische Loben, die Stimme oder ein Leckerli ist für die meisten Pferde sinnvoll und sie sind mit natürlicher Motivation bei der Arbeit.

Formen der Bodenarbeit können sein:

  • Freiarbeit
  • Stangenarbeit
  • Longenarbeit
  • Vertrauensarbeit (Schrecktraining)
  • Gymnastikarbeit
  • Handarbeit
  • Verladetraining
  • Clickertraining
  • Equikinetic
  • Zirkuslektionen

Bei jeder Trainingseinheit sollte das Ausdrucksverhalten des Pferdes genau berücksichtigt werden und keine Über- oder Unterforderung erzielt werden. Auch ist der Gesundheitszustand beim Pferd zu beachten und mit einer Fachperson vor Ort individuell zu berücksichtigen. Ist man selbst gestresst, vertagt man die Arbeit lieber auf einen anderen Tag und macht dafür einen ruhigen Spaziergang. Auch Pferde haben Tage, an denen sie bestimmte Übungen vielleicht nicht durchführen möchten. Dies gilt es immer zu respektieren. Typische Stressanzeichen während der Bodenarbeit beim Pferd können sein:

  • Verhaltensauffälligkeiten wie Weben, Head Shaking, Koppen, …
  • Aggressionsverhalten
  • Stressgesicht (angespannte Maulspalte und Kaumuskulatur, grosse Nüstern, aber auch verengte Nüstern)
  • Schweifschlagen
  • Fluchtverhalten
  • Angstverhalten

Gute Kenntnisse von Mimik und Gestik des Pferdes sollten vor der Bodenarbeit mindestens vorhanden sein. Kopf, Hals, Gliedmasse, geringe Teile der Hinterhand und des Rückens, sowie der Schweif sind für das Aussenden von Körpersignalen hauptsächlich zuständig. Das Training sollte immer individuell an das Exterieur und den Ausbildungszustand des Pferdes angepasst werden.

Ausrüstung

  • Bodenseil/Longe
  • Kappzaum, Halsring oder gut sitzendes Halfter
  • Gerte falls nötig

Ein Bodenseil ist für die meiste Bodenarbeit am besten geeignet, ansonsten kann auch eine Longe verwendet werden. Auch kann mit dem Zaumzeug gearbeitet werden z.B. bei der Gymnastikarbeit, um Seitengänge oder Übertreten zu erreichen, ist aber kein Muss. Ich selbst arbeite mit Halsring, Kappzaum, einem gut sitzenden Halfter oder frei.
Beachte: Knotenhalfter, Kappzaum und Halfter können durch falsches Sitzen, unnötigen Druck auf Nerven oder Knochenvorsprünge geben und Verspannungen auslösen.

Eine Gerte benutze ich selbst nur bei gewissen Übungen als Verlängerung meines Armes.

Auswahl von Basisübungen

  • Schritt – Steh
  • Mittelschritt – versammelter Schritt
  • Rückwärtsrichten
  • Ruhiges Stehen

 

Schritt – Steh

Meine Basisübungen beginnen immer mit den „Schritt – Steh“ Übungen. Ich führe das Pferd auf dem ersten Hufschlag, laufe selbst auf dem zweiten bis dritten Hufschlag und bin auf der Laufposition zwischen Kopf und Schulter des Pferdes. Das Seil ist locker und ich selbst habe eine aufgerichtete Körperhaltung mit lockeren Schultern und einer leichten Körperspannung. Dann frage ich das Stehen nur über meine Körpersprache ab. Ich richte mich gross auf, gehe mit meinem Gewicht leicht nach hinten und bleibe bewusst und bestimmt stehen. Zum Anlaufen gehe ich mit dem Gewicht leicht nach vorne, mache mich etwas klein und motiviere das Pferd somit zum mitgehen. Diese Übung wiederhole ich ca. 3-6 x bis die Übung zu 100% sitzt. Das Seil sollte hier nie unter Zug sein. Ziel ist es, dass das Pferd hier auf meine Körpersprache hört. Das Lauftempo ist auf den Schritt des Pferdes anzupassen.

Die weiteren Übungen werden dann individuell umgesetzt und eine Trainingseinheit für die Basisübungen dauert ca. 10-15 Minuten.

Weiteres

Möchtest du mehr über die Bodenarbeit erfahren? In meinen weiteren Blogposts erkläre ich weitere Bodenarbeitseinheiten wie Stangenarbeit, Longenarbeit, Gymnastikarbeit, Clickertraining und Verladetraining.

Ich biete an deinem Stall Kurse an oder gebe dir Einzelunterricht in der individuellen Umsetzung der Bodenarbeit mit deinem Pferd. Mit meiner mobilen Praxis komme ich zu dir an den Stall in der Zentral- & Ostschweiz inkl. Grossraum Zürich. Unverbindliche Anfragen gerne unter: natalie(diese Klammer mit @ ersetzen)tiertherapie.vet oder 041 511 24 15.

Vielen Dank für dein Vertrauen.